Wenn Ware lange bei Amazon liegt, solltest du zwei Fragen getrennt beantworten: Welche Lagergebühren fallen an – und lohnt sich das weitere Lagern überhaupt noch? Der Aufschlag für Altbestand, oft als Langzeitlagergebühr oder Aged Inventory Surcharge bezeichnet, kommt zu den regulären Lagerkosten hinzu. Eine Remission kann eine Alternative sein. Sie ist aber nicht automatisch die günstigste Entscheidung.
Dieser Leitfaden zeigt dir, welche Daten du brauchst und wie du die Handlungswege vergleichst. Die konkreten Tarife und Bedingungen prüfst du für deinen Marktplatz und deinen Artikel in der aktuellen Amazon-Gebührenübersicht.
Welche FBA-Lagerkosten musst du unterscheiden?
| Kostenart | Was du dafür prüfen musst |
|---|---|
| Monatliche Lagergebühren | Durchschnittlich belegtes Volumen, Zeitraum und passende Produkt-/Größenkategorie |
| Aufschlag für Altbestand | Altersverteilung der gelagerten Einheiten, gültige Altersstufen und Ausnahmen |
| Weitere mögliche Lagerzuschläge | Ob die jeweiligen Bedingungen für dein Konto und deinen Bestand erfüllt sind |
| Remission, Entsorgung oder Liquidation | Gebühren und Voraussetzungen des gewählten Weges |
Amazon berechnet die regulären Lagergebühren auf Basis des durchschnittlich täglich belegten Volumens. Bei älteren Einheiten können zusätzliche Aufschläge hinzukommen. Kategorie, Zeitraum und weitere Bedingungen beeinflussen die Abrechnung. Die offizielle Preisübersicht für Deutschland ist der Einstieg für die aktuellen Konditionen.
Für deine Entscheidung reicht deshalb weder „100 Stück liegen im Lager“ noch „der Artikel ist seit Monaten online“. Du brauchst das Volumen und die Altersverteilung der tatsächlich gelagerten Einheiten. Mehrere Einsendungen derselben SKU können unterschiedlich alte Ware enthalten.
FBA-Lagerkosten berechnen: erst Volumen, dann Tarif
Für eine vereinfachte Monatsrechnung gilt:
Durchschnittlich gelagerte Einheiten × Volumen je Einheit in m³ × gültiger Monatstarif je m³.
Dabei müssen die Maße zur Einheit passen, auf die Amazon die Gebühren bezieht. Die Maße eines Versandkartons mit mehreren Verkaufseinheiten sind nicht automatisch die Maße eines einzelnen Produkts.
Synthetisches Rechenbeispiel, keine Kontodaten: Eine verpackte Verkaufseinheit misst 20 × 15 × 10 cm. Ihr Volumen beträgt:
20 × 15 × 10 ÷ 1.000.000 = 0,003 m³
Liegt der durchschnittliche Tagesbestand im betrachteten Monat bei 100 Einheiten, ergibt das 100 × 0,003 = 0,3 m³. Für die Grundgebühr multiplizierst du diese 0,3 m³ mit dem aktuell gültigen Tarif. Einen möglichen Altbestandsaufschlag rechnest du anhand seiner eigenen Regeln zusätzlich.
Verwende nicht einfach den Bestand am Monatsende als Monatsdurchschnitt. Wenn du während des Monats viel verkauft oder eingesendet hast, kann das einen deutlichen Unterschied machen.
Wann wird aus Reservebestand ein Problem?
Prüfe je Artikel:
- Menge: Trenne nutzbaren FBA-Bestand, reservierte Mengen und nicht verkaufbare Ware.
- Lageralter: Betrachte die Altersstufen im Bericht, nicht nur ein einzelnes Datum der SKU.
- Erwarteten Absatz: Ist der bisherige Abverkauf für die kommenden Monate plausibel?
- Künftige Kosten: Was kostet das Lagern bis zum erwarteten Verkauf einschließlich möglicher Zuschläge?
- Alternativen: Kannst du die Ware nach einer Rückholung anders nutzen oder verkaufen?
Bei Saisonartikeln ist der dritte Punkt besonders wichtig. Ein guter Dezemberabsatz ist keine belastbare Annahme für den Januar. Umgekehrt kann bewusstes Lagern vor der nächsten Saison sinnvoll sein, wenn die erwarteten Kosten und Risiken dazu passen.
Weiterlagern, Preis senken oder Remission?
Vergleiche alle Wege mit derselben Ausgangsmenge und über einen vergleichbaren Zeitraum. Schon bezahlte Einkaufskosten gehören in deine vollständige Ergebnisrechnung. Die nächste Entscheidung solltest du anhand der noch beeinflussbaren Kosten und Erlöse treffen.
| Handlungsweg | Was in den Vergleich gehört | Entscheidende offene Frage |
|---|---|---|
| Weiter bei FBA lagern | Künftige Lagerkosten, mögliche Aufschläge und erwarteter Abverkauf | Ist der Absatz für die kommende Zeit plausibel? |
| Preis senken | Erlösminderung und Lagerkosten des verbleibenden Bestands | Wie verändert sich der Absatz tatsächlich? |
| An dich zurücksenden lassen | Remissionsgebühren, eigenes Lager, Bearbeitung und gegebenenfalls erneuter Versand | Kannst du die Ware anders nutzen? |
| Entsorgen lassen | Entsorgungsgebühren; kein weiterer Verkaufserlös | Gibt es einen wirtschaftlich sinnvollen anderen Weg? |
| Liquidieren lassen | Berechtigung, erwarteter Rückgewinn und Gebühren | Ist der Artikel geeignet, und was bleibt netto übrig? |
Eine Preissenkung führt nicht verlässlich zu einem bestimmten Mehrabsatz. Rechne mindestens eine vorsichtige und eine günstigere Annahme. Wenn sich die Entscheidung nur unter der günstigeren Annahme lohnt, solltest du das bewusst erkennen.
Bei der Liquidation unterscheidet Amazon zwischen dem Brutto-Rückgewinn und dem Betrag nach Gebühren. Bedingungen und Ablauf stehen in der offiziellen Übersicht zu Liquidationen über Versand durch Amazon. Ein Rückgewinn ist kein garantierter Verkauf zum gewünschten Preis.
Wie berechnest du Remissionskosten?
Für einen einfachen Gebührenvergleich beginnst du mit:
Zu remittierende Stückzahl × gültige Remissionsgebühr je Einheit.
Prüfe Größen-/Gewichtsklasse und Rücksendeziel in Seller Central. Ergänze die Kosten nach der Rückholung: Annahme, Kontrolle, Lagerung, gegebenenfalls Neuverpackung und späterer Versand.
Ein reiner Vergleich „Remissionsgebühr gegen einen Monat FBA-Lagergebühr“ kann deshalb irreführen. Relevant ist, wie lange und unter welchen Bedingungen du die Ware bei jeder Alternative behalten würdest.
Auch die Fristen musst du im aktuellen Amazon-Hinweis zum jeweiligen Aufschlag prüfen. Verlasse dich nicht auf eine pauschale Regel wie „ein Auftrag am Vortag reicht immer“ oder „jede Remission braucht genau zwei Wochen“. Auftrag, Bearbeitung und gebührenrelevanter Stichtag sind unterschiedliche Dinge.
So unterstützt Waypoint Hub die Lagerentscheidung
- Risiken erkennenAuffällige Artikel gezielt prüfen
- Wege vergleichenLagern, Abverkauf und Rückholung einordnen
- Annahmen ansehenKosten und Rechengrundlagen nachvollziehen
Wenn du diese Prüfung für mehrere Artikel wiederholen musst, hilft ein gemeinsamer Vergleich statt einzelner Notizen. In Lagerentscheidungen stellt Waypoint Hub Weiterlagern, Preissenkung, Remission, Entsorgung und – soweit im jeweiligen Fall angezeigt und berechenbar – Liquidation gegenüber. Zu den Ergebnissen gehören die angesetzten Kostenbestandteile und Annahmen.
Das beantwortet die Frage: Welchen Handlungsweg sollte ich bei diesem Artikel genauer prüfen? Die Einschätzung hängt unter anderem von Stammdaten und angenommenem Abverkauf ab. Fehlende Produktmaße oder andere Datenlücken können Näherungen erforderlich machen. Das Ergebnis ist keine verbindliche Amazon-Abrechnung und keine Zusage über den späteren Absatz.
Die Gebührenrisiken je SKU helfen dir, auffällige Artikel zu finden. Unter weitere Funktionen findest du den Bereich Lagerentscheidungen. Die Rückholung oder Entsorgung entscheidest und veranlasst du selbst.
Für die nächste Einsendung: denselben Überbestand vermeiden
Der Altbestandsvergleich behandelt Ware, die bereits bei Amazon liegt. Vor der nächsten Einsendung ist die Frage eine andere: Wie viel wird nach der Ankunft voraussichtlich gebraucht, und was liegt schon bei Amazon oder ist unterwegs?
Prüfe bei einer Einzelplanung, ob dein aktueller Tagesabsatz für den gewählten Zeitraum passt. Die Einsendungsempfehlung im Tool führt darüber hinaus Saisonverlauf, laufende Sendungen und eigenes Lager für die wiederkehrende Planung zusammen.
Häufige Fragen
Sind Langzeitlagergebühren und normale Lagergebühren dasselbe?
Nein. Der Aufschlag für Altbestand ist von den regulären monatlichen Lagerkosten zu unterscheiden. Prüfe beide Positionen und die für deinen Artikel geltenden Bedingungen.
Ist Remission immer günstiger als Entsorgung?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Vergleiche die aktuellen Gebühren für deinen Artikel und ergänze die Kosten der Rücknahme. Zurückgeholte Ware kann wieder nutzbar sein, verursacht aber gegebenenfalls weitere Arbeit und Lagerkosten.
Muss ich alle älteren Einheiten sofort zurückholen?
Die Entscheidung hängt vom voraussichtlichen Abverkauf, den künftigen Kosten und deinen Alternativen ab. Eine bevorstehende Saison kann anders zu bewerten sein als Ware ohne realistische Absatzperspektive.
Ist reservierter Bestand automatisch Altbestand?
Nein. „Reserviert“ beschreibt einen Status, das Lageralter die bisherige Lagerdauer. Beides kann gleichzeitig zutreffen. Mehr dazu: Amazon-Lagerbestand reserviert: Bedeutung und Planung.
Quellen und Stand
Überarbeitet am 22.10.2026. Gebühren und Programmbedingungen können sich ändern; für einen konkreten Auftrag sind die aktuellen Angaben in Seller Central maßgeblich.
- Amazon Deutschland: Preisgestaltung und Lagergebühren
- Amazon Seller Central: Liquidationen über Versand durch Amazon
Das Rechenbeispiel ist synthetisch. Vergleichsfragen und Checklisten sind unsere redaktionelle Herleitung, keine von Amazon zugesicherte Entscheidungsregel.
