Neue FBA-Remissionsabrechnung ab 1. Mai: Was sich für deine Buchhaltung ändert
Seit 1. Mai 2026 berechnet Amazon FBA-Remissions- und Entsorgungsgebühren pro Einheit statt pro Auftrag. Die Höhe der Gebühren ändert sich nicht — nur die Granularität in den Reports. Wer Buchhaltung über Datev-Import oder eigene Reimbursement-Pipelines automatisiert, sieht ab jetzt deutlich mehr Einzelposten pro Removal-Order. Praxis-Folgen: Filter- und Aggregations-Logik in deinen Imports prüfen, Plausibilitäts-Checks anpassen.
Wer eine Removal-Order an Amazon schickt, bekommt eine Gebühr berechnet — entweder für die Rücksendung an dich (Remission) oder für die Entsorgung. Bis Ende April war die Logik einfach: Pro Removal-Order kam eine Gebühren-Zeile in den Transaktions-Report. Seit dem 1. Mai 2026 ist das anders: Amazon rechnet pro Einheit ab, direkt zum Zeitpunkt der Remission oder Entsorgung.
Die Gebührenhöhe selbst bleibt unverändert. Was sich ändert, ist die Buchhaltung — und für viele Seller die Tools, die zwischen Seller Central und ihrem Steuerberater oder ihrer ERP-Pipeline sitzen.
Was sich konkret ändert
Die Mechanik ist schnell erklärt. Bisher: Du hast 50 Einheiten einer SKU zur Entsorgung freigegeben, Amazon hat die Removal-Order abgeschlossen, und im Report stand eine Zeile mit Gebühr × Menge. Ab 1. Mai sieht dieselbe Operation so aus: 50 Zeilen, jede mit der Einheits-Gebühr.
Konkret:
| Aspekt | Vor 1. Mai | Ab 1. Mai |
|---|---|---|
| Granularität | 1 Buchung pro Removal-Order | 1 Buchung pro Einheit |
| Gebührenhöhe | unverändert | unverändert |
| Buchungs-Zeitpunkt | bei Auftragsabschluss | beim physischen Vorgang pro Einheit |
| Anzahl Zeilen im Report | wenige | viele bis sehr viele |
Bei einer Removal-Order mit 200 Einheiten sind das jetzt 200 Zeilen statt einer. Wer im Quartal mehrere Removal-Orders mit jeweils dreistelligen Stückzahlen macht, bekommt einen deutlich umfangreicheren Report.
Wer ist betroffen
Die Umstellung greift automatisch für alle neuen Aufträge ab 1. Mai. Du musst nichts beantragen oder einstellen. Betroffen sind alle Seller, die FBA nutzen — aber spürbar wird es vor allem in drei Konstellationen:
Seller mit regelmäßigen Removal-Orders (Saisonbereinigung, Lagerleichen-Abverkauf, Aged-Inventory-Prävention). Hier ändert sich die Report-Optik am stärksten.
Seller mit Datev- oder ERP-Import-Pipelines, die einzelne Transaktions-Zeilen in ihre Buchhaltung übernehmen. Wer nicht aggregiert, bekommt jetzt deutlich mehr Einzelbuchungen — manche Buchhaltungssysteme reagieren darauf mit Performance-Problemen oder schlicht unübersichtlichen Kontoauszügen.
Seller, die Reimbursement-Monitoring-Tools nutzen (eigene oder fremde). Diese Tools haben die Höhe einer Removal-Order-Gebühr bisher oft als „eine Zeile pro Auftrag” geparst. Wer das nicht anpasst, vergleicht ab sofort Äpfel mit Birnen — der monatliche Removal-Gebühren-Wert wirkt anders, obwohl wirtschaftlich nichts passiert ist.
Was du an deiner Buchhaltung prüfen solltest
Drei konkrete Punkte, die sich in der nächsten Monatsabschluss-Routine lohnen:
1. Aggregation vor Import
Wenn dein Datev-Import oder ERP-System einzelne Amazon-Zeilen 1:1 übernimmt, ist jetzt ein guter Zeitpunkt für eine Aggregations-Stufe davor. Praktisch: SQL-View, Excel-Macro oder Tool, das alle Zeilen mit gleicher removal_order_id zu einer Summe pro Order verdichtet — Buchhaltungs-konformer Beleg, aber ohne 200 Einzelposten im Konto.
2. Plausibilitäts-Checks anpassen
Wer monatlich prüft „passt die Anzahl Removal-Gebühren zur Anzahl Removal-Orders?”, muss die Formel umstellen. Neuer Check: Summe Removal-Gebühren ÷ Einzel-Gebühr = Anzahl ausgesendeter Einheiten. Das ist sogar präziser als vorher, weil du jetzt verifizieren kannst, dass auch wirklich jede Einheit abgerechnet wurde — Fehl-Buchungen lassen sich so leichter aufspüren.
3. Reimbursement-Tools auf neue Granularität trimmen
Tools, die FBA-Reimbursement automatisch monitoren, müssen die neue Datenstruktur kennen. Wer ein Reimbursement-Tool nutzt, sollte beim Anbieter nachfragen, ob die Multi-Row-Aggregation pro Removal-Order korrekt implementiert ist. Wer selbst ein Skript pflegt, baut die Aggregation auf removal_order_id ein — sonst werden Erstattungs-Ansprüche pro Einheit statt pro Order geprüft, was zu falschen Negativ-Ergebnissen führt.
Was sich nicht ändert
Damit keine Verwirrung entsteht — diese Punkte sind unverändert geblieben:
- Höhe der Removal- und Disposal-Gebühren: gleicher Tarif pro Einheit wie vor dem 1. Mai
- Möglichkeit zur Removal-Order: Prozess in Seller Central unverändert
- Ausgelagerte Mengen-Grenzen: keine neuen Limits
- Abrechnungs-Rhythmus: weiterhin im 14-Tage-Auszahlungs-Zyklus von Amazon
Es ist also keine Gebühren-Erhöhung versteckt. Die Umstellung ist rein eine Reporting-Granularität — wer keine automatisierte Buchhaltung nutzt und seine Removal-Order-Kosten ohnehin pro Quartal aggregiert anschaut, merkt im Alltag wenig.
Häufige Fragen
Muss ich in Seller Central etwas einstellen?
Nein. Die Umstellung greift automatisch für alle Removal- und Disposal-Aufträge ab dem 1. Mai 2026.
Werden alte Removal-Orders rückwirkend in der neuen Granularität ausgewiesen?
Nein. Aufträge, die vor dem 1. Mai abgeschlossen wurden, bleiben in der alten Sammel-Struktur. Erst neue Aufträge ab 1. Mai werden pro Einheit gebucht.
Lassen sich die Einzelbuchungen wieder zu einer Sammel-Position aggregieren?
Ja — über das Feld removal_order_id (oder den passenden Identifier in deinem Report). Alle Zeilen einer Order tragen denselben Identifier. SQL-GROUP BY reicht.
Was passiert mit Reimbursement-Anträgen bei verlorener oder beschädigter Ware in einer Removal-Order?
An der Reimbursement-Logik selbst ändert sich nichts. Aber: Die Differenz „erwartete Einheiten zurückgesendet vs. tatsächlich erhalten” lässt sich jetzt auf Einheits-Ebene direkt aus den Gebühren-Zeilen ableiten — eine Plausibilitäts-Quelle, die vorher gefehlt hat.
Wer Removal-Orders systematisch trackt und Reimbursement-Ansprüche nicht vergessen will: Waypoint Hub parst die neue Multi-Row-Struktur korrekt und aggregiert pro Removal-Order — inklusive Plausibilitäts-Check Soll vs. Ist. Mehr zu Waypoint Hub.
Stand: 20. Mai 2026. Quellenlage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung: offizielle Amazon-Mitteilung + mehrfach unabhängig aufgegriffene Branchen-Berichte. Wird bei Folge-Klärungen ergänzt.


